29.11.2012

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Kreativität als Zukunftsressource in der Bildung.

Beispiele aus Theorie und Praxis mit Mag.a Marianne Langwieser-Posawetz (Lehrerin am BG/BRG Kirchengasse, Graz).
Besteht in Zeiten der Standardisierung, Normierung und des Vergleichbarkeitsbedürfnisses noch Zeit und Raum für Kreativität? Wenn ja, unter welchen Bedingungen gedeiht dieses in seinem Wesen so schwer zu fassende Phänomen? Welche kreativitätsfördernden Bedingungen können Schule und Lehrende anbieten, damit sich die Lernenden auf kreative Arbeitsprozesse einlassen und die für einen kreativen Prozess charakterisierenden Frustrationen der Inkubationsphase überwinden, ehe es zum Flow bzw. zum befreienden Aha-Erlebnis kommt? Welche Bedeutung hat Kreativität für unsere Zukunft?

Anhand von drei kreativitätsfördernden Aufgabenstellungen haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, selbst einen kreativen Prozess zu durchlaufen und einen Einblick in die Vielfalt kreativer Produkte aus dem Schulalltag zu gewinnen. Die Präsentation einer Performance zum Thema Bauhaustheater zeigt, wie wichtig es ist, Lehrenden die Möglichkeit zu geben, selbst kreativ tätig zu sein. Eine abschließende Diskussion über Kreativität als Bildungsressource vergleicht Erkenntnisse aus Theorie und Praxis.

Beginn um 18 Uhr im Glockenspielhaus

(Abraham-a-Santa-Clara-Gasse 4, 8010 Graz)

 

Denkzeitraum mit Marianne Langwieser-Posawetz

Viele Menschen halten sich selbst für unkreativ und verbinden Kreativität mit hervorragenden Leistungen in Kunst und Wissenschaft. In diesem Denkzeitraum wird den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gezeigt, dass Kreativität ein Persönlichkeitsmerkmal darstellt, das jeder Mensch in mehr oder weniger ausgeprägter Form in sich trägt und das durch den Kontakt mit anderen in jederlei Hinsicht gefördert werden kann. Kreativität kann als unsichtbare Ressource bezeichnet werden.

Das Wort Kreativität selbst entwickelte sich aus dem lateinischen Verb „creare“, was so viel wie „erschaffen, erzeugen oder gestalten“ bedeutet. Dem Psychologen G.P. Guilford zufolge zeichnet sich eine kreative Person durch folgende Merkmale aus: Flexibilität (Entfernung von engstirnigen Denkkategorien), Originalität (von herkömmlichen Denkschemata abweichende Denkprodukte), Problemsensitivität (rasche Wahrnehmung von erklärungs- bzw. änderungsbedürftigen Sachverhalten), Innovationsbereitschaft (Entstehung innovativer Ansätze) sowie Ideenflüssigkeit (große Anzahl an neuartigen Ideen). Kreativität stellt folglich eine Fähigkeit dar, neue und sinnfällige Zusammenhänge zu entdecken, zu erfinden oder zu erschaffen. Frau Langwieser-Posawetz gestaltet ihren Denkzeitraum interaktiv und partizipatorisch, um den Teilnehmenden die Gelegenheit zu bieten, sich selbst und andere über gemeinsam entwickelte kreative Ideen kennenzulernen und um selbst kreativitätsfördernde Prozesse zu durchlaufen. Die erste Übung besteht darin, in Gruppen aus einem Objekt, in diesem Fall aus einer Büroklammer, etwas Kreatives zu gestalten. Teilnehmende überlegen gemeinsam und versuchen originelle Lösungsmöglichkeiten zu finden. In der nächsten schriftlich zu erfüllenden Aufgabe sollen die Gruppenmitglieder Antworten auf folgende Fragestellungen finden: „Wozu braucht der Löwe seine Mähne?“ und „Wie heiß muss ein Heißluftballon sein, damit er einen Elefanten hochheben kann?“ Jede Person bekommt ein Blatt und notiert drei mögliche Antworten. Nach einigen Minuten wird der Zettel weitergegeben und die Nachbarin oder der Nachbar ergänzen drei weitere Vorschläge. Bei der Beantwortung der zweiten Frage entstehen beispielsweise so ausgefallene Ergebnisse wie „Überhaupt nicht, wenn man sich den Elefanten nur vorstellt“, „Warum habe ich beim letzten Versuch nicht gemessen?“ oder „Bleib am Boden. Das ist besser“. Die Ideen anderer wirken inspirierend, sodass während dieser Aktivität eine Fülle von originellen Antworten zusammengetragen und ausgetauscht werden kann. Diese Art von Fragen erfordert in besonderem Maße flexibles und divergentes Denken und ist beispielsweise Teil des Aufnahmegesprächs an der Universität in Oxford.

Für die nächste Kreativitätsübung erhält jede Gruppe ein Heftchen, das lediglich aus Bildern besteht. Ziel ist es, ausgehend von jenen Illustrationen eine zusammenhängende Geschichte zu erfinden. Im Anschluss daran lesen bzw. erzählen die TeilnehmerInnen ihre Interpretationen: eine Gruppe berichtet von einem vegetarischen Wolf, der fast allen Versuchungen widerstehen kann, die andere von einem allesfressenden Wolf. Die dritte Geschichte handelt von einem Wolf, der davon träumt, Ballerina zu werden. Als Lehrerin für Bildnerische Erziehung präsentiert Frau Langwieser-Posawetz eine Vielfalt an Kunstwerken einer Klasse, die aus ein und derselben Aufgabenstellung heraus entstanden sind. Wie vor allem im Bereich Schule kreativitätsfördernde Bedingungen geschaffen und gleichermaßen Hemmungen abgebaut werden können, wird mit den Teilnehmenden diskutiert. Aus dem Zusammenwirken individueller Persönlichkeiten, Problemstellungen und Lernumgebungen können im Rahmen des Unterrichts kreativitätsfördernde Prozesse angeregt und kreative Produkte erzeugt werden. Da Kreativität auch oft Leerläufe bzw. Frustration mit sich bringen kann, ist es von herausragender Bedeutung, als Lehrperson Schülerinnen und Schüler beim Kreativitätsprozess zu ermutigen und zu unterstützen. Jener besteht laut G. Wallas aus vier Phasen. Er beginnt mit der Wahrnehmung eines Problems, woraufhin man sich durch das Zusammentragen von Informationen auf jenes vorbereitet (Präparation). In der nächsten Phase hat es den Anschein, als würde niemals eine Lösung gefunden werden können. Unzufriedenheit und Enttäuschung sind die Folge (Inkubation). Doch plötzlich kann es zu einer „Erleuchtung“ oder zu einem „Aha-Erlebnis“ kommen, welches zur Entwicklung eines Konzeptes für die Bewältigung der vorliegenden Schwierigkeit führt (Illumination). Danach wird die Lösungsidee in die Praxis umgesetzt und auf ihre Brauchbarkeit hin überprüft (Verifikation). Gerade im schulischen Bereich werden erforderliche finanzielle Einsparungen meist bei den so genannten „Kreativ-Fächern“ vorgenommen, obwohl Kreativität heutzutage eine wichtige Kompetenz darstellt, um Alltag und Beruf zu meistern. Kreativität im schulischen Bereich zu evaluieren, stellt ein schwieriges Unterfangen dar, da (noch) keine geeigneten Beurteilungskriterien vorhanden sind, an denen sich Lehrende orientieren können. PISA-Studien oder andere standardisierte Leistungsüberprüfungen versuchen einen direkten Vergleich einzelner Schülerinnen und Schülern auf internationaler Ebene zu erzielen, wodurch der Rahmen individueller kreativer Ausdrucksmöglichkeiten im Schulsystem verkleinert wird.

Zum Abschluss schenkt Frau Langwieser-Posawetz allen Teilnehmenden eine unbehandelte Zitrone mit dem Auftrag, zu Hause damit ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen.

 

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