Die Zukunft (in) der Stadt.
Welche Auswirkungen hat die immer mehr zunehmende Verstädterung der Welt auf die Zukunft? Welche Art von Verantwortung entsteht für Bewohnerinnen und Bewohner von Städten? Prof. Hans Schnitzer von LaborstadtGraz wird auf diese Fragen Antworten geben.
Beginn um 18 Uhr im Glockenspielhaus
(Abraham-a-Santa-Clara-Gasse 4, 8010 Graz)

















© Klara Gruber (Institut für Philosophie – Arbeitsbereich Praktische Philosophie)
Denkzeitraum mit Prof. Hans Schnitzer „Die Zukunft in der Stadt“
50% der Menschen leben heutzutage in Städten und die Zahl steigt stetig. Auch in der Steiermark ist ein starker Zuwachs in den Städten zu vermerken. Zwei Drittel der Ressourcen werden in Metropolen verbraucht, ein Drittel von der Industrie. Da erstere global gesehen Wichtigkeit besitzen, drängt sich die Frage auf, was zu tun ist, wenn die Ressourcen immer knapper werden, Städte aber auf sie angewiesen sind. Darüber hinaus liegen zahlreiche Ortschaften am Meer und werden durch den immer weiter steigenden Meeresspiegel gefährdet. Durch die Abhängigkeit von der Umwelt entsteht somit ein hohes Maß an Verletzlichkeit. Gleichzeitig können Städte aber als Chance betrachtet werden, da in ihnen in konzentrierter Form viele kompetente Menschen leben, die gemeinsam einen positiven Beitrag für die Zukunft leisten können, sei es in Bezug auf den Umweltschutz oder auf konkrete Mobilitätskonzepte. So genannte „Smart Cities“ sind zum erstrebenswerten Ziel für Städte geworden. Was eine Smart City ist und wie sie konkret aussieht, lässt sich schwer festmachen, da sie beliebige Ausformungen annehmen kann und keinem einheitlichen Schema folgt. Der Fokus liegt eher darauf, dass eine Smart City Funktionen erfüllen sollte, die zum Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner beitragen.
In der Stadt Graz leben momentan 300.000 Menschen, alleine im vergangenen Jahr ist die Einwohnerzahl um 3.500 Personen gestiegen. Gleichzeitig steigt auch u.a. die Anzahl der Autos und der Wohnbauprojekte, was die Stadt Graz vor Herausforderungen stellt. Herr Schnitzer ist der Ansicht, dass Graz im Jahre 2050 trotz der grob geschätzten 80.000 Menschen mehr aussehen wird wie heute, da es gelingen wird, mit neuen Raumplanungs- und Mobilitätskonzepten den starken Zuwachs an Menschen zu verarbeiten, ohne dass die Lebensqualität sinkt. Es ist nicht ausreichend, lediglich neue Häusersiedlungen zu bauen, es bedarf weitaus mehr. Die Lebensqualität soll für die Bürgerinnen und Bürger durch die gesetzten Maßnahmen der Stadt nicht nur erhalten, sondern sogar erhöht werden. Gleichzeitig soll jene aber auch für die Einzelpersonen leistbar sein und bleiben.
Herr Schnitzer stellt dem Publikum die Frage, was sie als Bewohnerinnen und Bewohner von Graz beim Erbau einer neuen Wohnungssiedlung als wichtig und erstrebenswert erachten. Die Teilnehmenden gaben folgende Antworten: nette Menschen, Kommunikations- und Rückzugsmöglichkeiten, vorhandene Infrastruktur im Umfeld, Nahversorgung, Kinderbetreuung, Seniorenbetreuung, Grünflächen, verschiedene vorhandene Altersgruppen und historische Gewachsenheit. Der Vortragende ergänzte die genannten Aspekte und führte an, dass eine Wohnsiedlung ebenso von Helligkeit, Sauberkeit, guter Luftqualität, geringer Lärmbelastung, guter Erreichbarkeit, offenem Wasser, Mitspracherechten, Sicherheit sowie Möglichkeit zum Engagement gekennzeichnet sein sollte. Darüber hinaus muss bei der Erstellung eines Wohngebiets gleichzeitig die Frage berücksichtigt werden, ob nicht schon bei ihrer Erstellung eine selektive Auswahl erfolgt, welche Bevölkerung sich hier ansiedeln wird. Dem gilt es entgegenzuarbeiten.
In einem Grazer Projekt wurden Visionen hinsichtlich stadtbezogener Aspekte in acht Gruppen erarbeitet. Eine Gruppe widmete sich beispielsweise dem Sozialen, eine andere dem Verkehr oder eine dritte Gruppe der Raumplanung. Jedes Team sollte ihre themenspezifischen Visionen formulieren und dafür eine so genannte „Road Map“ erarbeiten, um herauszufinden, wie diese Visionen realisiert werden können. Weiters galt es, für die jeweiligen Bereiche die angemessenen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner herauszufinden. Bei dieser Erarbeitung mussten gleichermaßen förderliche sowie hinderliche Trends für die Umsetzung der Visionen thematisiert werden. „Doch alle theoretischen Pläne sind ohne den sozialen Aspekt nicht zu denken.“, so Herr Schnitzer. Deshalb muss immer überlegt werden, wie diese beiden Aspekte bei der Gestaltung einer Stadt zusammengeführt werden können.
