Was leisten soziale Arbeit und Sozialpädagogik für die Zukunft?
Ein interaktiver Workshop mit Beiträgen von Sabine Fössl, Sabine Hörschläger und Maria Umdasch-Resch vom Referat für Sozialarbeit und Sozialbetreuung (http://www.graz.at/cms/beitrag/10022287/374842) und von Dietmar Perktold, Lehrer am BORG Monsberger Graz.
Beginn um 18 Uhr im Glockenspielhaus
(Abraham-a-Santa-Clara-Gasse 4, 8010 Graz)
© Klara Gruber (Institut für Philosophie – Arbeitsbereich Praktische Philosophie)
Denkzeitraum mit Maria Umdasch-Resch, Sabine Fössl, Sabine Hörschläger
und Dietmar Perktold
Dieser Denkraum widmet sich der Frage „Was leisten soziale Arbeit und Sozialpädagogik für die Zukunft?“. Bevor auf den angekündigten Zukunftsbezug näher eingegangen wird, stellt das Referat für Sozialarbeit und Sozialbetreuung seine Angebote, die in drei Schwerpunktbereiche gegliedert sind, vor:
- Sprengelsozialarbeit: Beratung, Unterstützung, Begleitung von erwachsenen GrazerInnen bei unterschiedlichen wirtschaftlichen und persönlichen Problemlagen werden offeriert. Darunter fallen insbesondere Einzelpersonen ab der Volljährigkeit, Familien in wirtschaftlichen Notlagen, Personen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, Personen mit Suchterkrankungen oder von Obdachlosigkeit bedrohte Personen. Ziel der sozialarbeiterischen Einzelhilfe ist es, durch fachliche Hilfeleistung eine nachhaltige Verbesserung und eine positive Veränderung der Lebenssituation herbeizuführen. Menschen dabei soweit zu unterstützen, dass jene wieder möglichst rasch selbstständig zurechtkommen, ist ein großes Anliegen des Referats für Sozialarbeit und Sozialbetreuung.
- Sozialarbeit im „Info Point Soziales“: Im Amtshaus der Stadt Graz bieten SozialarbeiterInnen fachliche Beratung und Kurzinterventionen für Erwachsene in akuten finanziellen Notlagen.
- Mobile Sozialarbeit: Jene Streetwork-Einrichtung der Stadt Graz wendet sich vor allem an erwachsene Personen, die von sozialer Benachteiligung oder von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ausgrenzung bedroht oder betroffen sind, die Unterstützungsbedarf haben, für die der öffentliche Raum zentrale Sozialisations- und Lebensräume darstellt, oder die durch bestehende Beratungs- und Betreuungsangebote nicht (ausreichend) unterstützt werden können. Die Kernangebote der Sozialarbeit liegen hauptsächlich in der Beratung und Information sowie in der Begleitung zu Ämtern und Behörden.
Eine weitere für die Sozialarbeit wichtige Methodik aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, deren Standards international definiert sind, wird den Teilnehmenden zugänglich gemacht: Das so genannte Case Management. Mit Jänner 2013 wird es in das reguläre Angebot des Referats für Sozialarbeit und Sozialbetreuung integriert. Beim Case Management handelt es sich um einen Ansatz, durch den Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf allumfassend geholfen werden soll. Die Zustimmung von KlientInnen, in ein Case-Management-Programm aufgenommen zu werden, ist für die Durchführung eine wichtige Voraussetzung. Dabei wird die aktuelle Lebenssituation und der konkrete Unterstützungsbedarf gemeinsam mit den KlientInnen analysiert und auf dieser Basis ein Unterstützungsplan erarbeitet. Der Erfolg der elaborierten Maßnahmen wird abgeschätzt und im Laufe der Betreuung regelmäßig überprüft.
Ein weiteres Angebot des Referats für Sozialarbeit und Sozialbetreuung ist der Familienrat. Dieses Modell stammt aus Neuseeland und richtet sich an jede Form von Familie, die sich mit Problemen konfrontiert sieht. Es erfolgt ein Zusammentreffen der Familie mit Verwandten und Bekannten, bei dem vorhandene Schwierigkeiten gemeinsam und selbstständig gelöst werden können. Die Familie selbst entscheidet, wer am Familienrat teilnehmen soll. Während des Familienrats erarbeiten die Anwesenden zusammen Ideen, Möglichkeiten und Beiträge der einzelnen Familienmitglieder, um eine vorhandene Schwierigkeit zu bewältigen. Auf diese Weise kann die Familie selbst ihre Kompetenzen und Fähigkeiten erkennen und nutzen lernen. Fachleute und SozialarbeiterInnen sind in dieser Zeit nicht anwesend. Sie sind für die Rahmenbedingungen des Familienrats zuständig und stehen für Fragen und Betreuung zur Verfügung.
Die Frage, wem die Zukunft gehöre, beantworten Frau Umdasch-Resch, Frau Fössl und Frau Hörschläger folgenderweise: Die soziale Arbeit übernimmt eine gesetzliche Verantwortung, Zukunftsperspektiven für all jene Menschen aufrecht zu erhalten, die es aus eigener Kraft nicht schaffen würden. Es ist ihre Verpflichtung, gesellschaftliche Umstände dauerhaft zu verändern, sodass eines Tages bestimmte strukturelle Hilfeleistungen gar nicht mehr notwendig werden.
Dietmar Perktold
Das Projekt „Edenhof – Paradies im Werden“ unter der Leitung von Karin Koch und Dietmar Perktold stellt den Versuch dar, im schulischen Bereich Jugendlichen etwas Anderes als den standardisierten Lehrplan im Klassenzimmer zu bieten. Es wurde gezielt ein Hof gesucht und gefunden, um den sich Jugendliche und Erwachsene gemeinsam in Abgeschiedenheit kümmern und ihn pflegen wollen – ohne Strom, ohne Empfang. Dabei können Alt und Jung im Miteinander mit der Natur arbeiten, sich einbringen und dadurch Gemeinschaft erleben. Dieser generationenübergreifende Aspekt enthält die Möglichkeit, zwischen den Generationen Brücken zu schlagen, voneinander bzw. miteinander zu lernen, sich gegenseitig zu helfen und sich gemeinsam zu entfalten. In Kollaboration mit den Jugendlichen werden Richtlinien und Visionen für das Projekt erarbeitet. Um eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts zu garantieren, bedarf es seitens der Teilnehmenden ein hohes Maß an Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit, damit die eingebrachten Ideen auch in die Tat umgesetzt werden und dadurch ein ganzheitliches Erleben mit allen Sinnen entsteht. Das Ziel des Projekts besteht nicht darin, den Hof selbst wiederzubeleben, sondern ihn als Katalysator für Prozesse zu verwenden, um im Einklang mit der Natur Gemeinschaft, Verbindlichkeiten, Ruhe und Kreativität als ganzheitliches Erleben zu erfahren.
Dietmar Perktold beschreibt das Projekt in eigenen Worten wie folgt:
Der Erdhof ist eine Vision.
Er ist die Vision einer Lebensform, die Heilung ermöglicht.
Eine Form ist nicht das Eigentliche. Sie ist nur das Behältnis, der Rahmen für das Eigentliche.
Das Eigentliche sind die kommunikativen und geistigen Prozesse, die durch diese Form, angestupst, erleichtert, zumindest nicht behindert werden.
Von seiner äußeren Erscheinungsform her ist der Erdhof etwas ganz Banales – ein ökologischer Wirtschaftsbetrieb, vielseitig ausgerichtet in der Produktions- und Beschäftigungsweise, von überschaubarer Größe, maßvoll ausbalanciert im Einsatz traditioneller und moderner Techniken..
Das Entscheidende wird sein, wes Geistes die dort zusammenleben und – arbeitenden Menschen sind.
Manchen von Euch wird an dieser Stelle vielleicht die Assoziation von „ora et labora“ kommen, also von klösterlichen Vorbildern. In der Tat können diese Jahrhunderte lang bewährten und bis heute segensreichen Einrichtungen als Modell und Vorbild dienen.
Aber es gibt auch Unterschiede.
Zum einen ist der Erdhof konfessionsfrei, was keineswegs dasselbe ist wie a- oder antireligiös.
Zum anderen werden die Ideale zeitgemäßer definiert werden müssen.
Wichtige Prinzipe könnten sein:
Achtung und Achtsamkeit (leben und leben lassen)
Erdung im Sichtbaren, damit die Ausrichtung auf das Nicht-Sichtbare ermöglicht wird
Maßhalten und Balance (Glück in der Beschränkung)
Authentizität und Handschlagqualität (statt juristischer Spitzfindigkeiten)
Öffnung zum Du hin (Gemeinschaft, der/die andere als Spiegel meiner selbst)
Ganzheitlichkeit
Verbindlichkeit
Bewusstsein
Weiters ist die Aufenthaltsdauer am Erdhof nicht auf Lebenszeit angelegt. Vielmehr entscheidet jede und jeder (innerhalb eines bestimmten Rahmens) selbst über die Aufenthaltsdauer – das aber im Voraus und verbindlich. Wiederholte Aufenthalte sind durchaus möglich und erwünscht. Dadurch entsteht eine fluktuierte Gemeinschaftsform.
All das zusammen nehmend könnte so der Erdhof in Bezug auf die Wirtschaft (breit gefächerte Tätigkeitsbereiche, erfolgs- aber nicht profitorientiert), in Bezug auf die Größe und Form der Gemeinschaft (angesiedelt zwischen Großfamilien und Kleindorf), in Bezug auf das Ebenmaß zwischen individueller Freiheit und gemeinsamer Ausrichtung als eine lebens- und gesundheitsfördernde Zelle und Tankstelle einen Beitrag zu einem gelingenden Weiterleben auf diesem Planeten sein.

















